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Kulturgeschichte der Überlieferung im Mittelalter

Quellen und Methoden zur Geschichte Mittel- und Südosteuropas

von Gruber, Elisabeth ; Lutter, Christina ; Schmitt, Oliver Jens Fach: Geschichte;

Mittelalterliche Überlieferung in neuer räumlicher und methodischer Perspektive.

Der Band bietet eine wissenschaftshistorische Einführung und stellt textliche, bildliche und materielle Überlieferungsformen am Beispiel Mittel- und Südosteuropa vor. Es wird zudem ein problemorientierter Einblick in Entstehungszusammenhänge, soziokulturelle und politische Hintergründe, Forschungstraditionen und Quellenkritik gegeben.

Klassische Ordnungskriterien der Beschreibung von Quellen werden räumlich und zeitlich differenziert, methodische Zusammenhänge wissenschaftshistorisch und gesellschaftspolitisch kontextualisiert sowie räumliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet.

Der Band erschließt mittelalterliche Überlieferung und ihre sozialen und kulturellen Funktionen somit aus einer neuen räumlichen und methodischen Perspektive.

Dieser Titel ist auf verschiedenen e-Book-Plattformen (Amazon, Libreka, Libri) auch als e-Pub-Version für mobile Lesegeräte verfügbar.
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Details
ISBN 9783825245542
UTB-Titelnummer 4554
Auflagennr. 1. Aufl.
Erscheinungsjahr 2017
Erscheinungsdatum 13.03.2017
Einband Kartoniert
Formate UTB M (15 x 21,5 cm)
Originalverlag Böhlau Wien
Umfang 510 S., 16 farb. Abb., 24 Abb., 10 Karten
Zusatzmaterial
Inhalt
Vorwort 9
Erläuterungen zur Verwendung von Ortsnamen 12
Einleitung – eine Annäherung 16
1.1 „Moderne“ Wissenschaften und Nationen 33
1.2 Nationale Geschichtsbilder 37
1.3 Wiener Methodenausbildungen und ihre Ausstrahlung nach Südosteuropa 42
1.4 Ausblick: nach 1945 – nach 1989 47
2.1 Überblick über die politischen Veränderungen 500 – 900 52
2.2 Forschungstraditionen und Methoden zur frühmittelalterlichen Geschichte Mittel- und Südosteuropas 56
2.2.1 Spätantike Karten: Die Tabula Peutingeriana 61
2.2.2 Spätantike Epigraphik und das Ende der Alten Welt (300 – 500) 65
2.2.3 Linguistische Quellen zum Frühmittelalter: Zur Aussagekraft der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft 71
2.3 Die Kirche als Trägerin frühmittelalterlicher Überlieferung 82
2.3.1 Differenzierung und Integration durch Glauben 82
2.3.2 Integration durch Schriftlichkeit 98
2.4 Die Materialität der Quellen: Archäologie und Architektur, dingliche und bildliche Überlieferung 110
2.4.1 Stratigraphie eines Burghügels – das Beispiel von Alessio/Lissus/Lezha 112
2.4.2 Die Fundinterpretationen in der Mittelalterarchäologie der Provinz Vojvodina 116
2.4.3 Inschriften als Quelle für Herrschaftsgeschichte: Frühmittelalterliche kroatische Inschriften 120
2.4.4 Ein Steppenvolk erobert den östlichen Balkan: Bildkultur und Schriftlichkeit in proto-bulgarischen Inschriften 125
2.4.5 Die Siegel des mittelalterlichen Bulgarien 864 – 971 128
2.5 Ordnung ins Chaos? Das Handbuch De Administrando Imperio (948 – 952) des Konstantin Porphyrogénnetos 136
3.1 Neue Herrschaftsbildungen 1000 – 1300: Adels-, Hof- und Klosterkultur 142
3.2 Herstellung von Sicherheit: Recht setzen und gestalten 162
3.2.1 Urkundliche Überlieferung im mitteleuropäischen Kontext 162
3.2.2 Fälschungen und Herrschaftslegitimation 170
3.2.3 Urkunden der lateinischen Kaiserkanzlei der Romania (Lateinisches Kaiserreich von Konstantinopel) 179
3.2.4 Serbische Herrscherurkunden 184
3.2.5 Urkunden als Spiegel von Kultureinflüssen: Fallbeispiel Moldau 190
3.2.6 Rechtskodifikationen in Mitteleuropa 194
3.2.7 Das Gesetzbuch des Stefan Dušan 201
3.2.8 Die fränkischen Assisen in Griechenland 204
3.2.9 Mittelalterliches Stadtrecht an der östlichen Adriaküste und in Mitteleuropa 208
3.3 Geschichte(n) erzählen: Historiographie, Hagiographie und Literatur 220
3.3.1 Geschichten erzählen: Geistliche und weltliche Überlieferung 220
3.3.2 Hagiographie und ihre politischen Funktionen: Böhmen und Mähren 234
3.3.3 Heilige Könige: Serbische Königsviten als balkanslawische Form der Herrscherrepräsentation 239
3.3.4 Klösterliche Annalistik 244
3.3.5 Chronistik des 12. und 13. Jahrhunderts 251
3.3.6 Deutschsprachige höfische Literatur: Ein Überblick 270
3.4 Visuelle und materielle Kultur 274
3.4.1 Materielle, bildliche und schriftliche Überlieferung als Medien von Repräsentation und Kommunikation 274
3.4.2 Burgen als Medien mittelalterlicher Herrschaftspraxis 281
3.4.3 Memoria multimedial: Inschriften und Wappen im Dienste von Erinnerung und Repräsentation 288
Übersichtskarten Mittel- und Südosteuropa 301
Karte 1 Physische Übersicht 302
Karte 2 Mittel- und Südosteuropa um 500 303
Karte 3 Mittel- und Südosteuropa um 800 304
Karte 4 Mittel- und Südosteuropa um 900 305
Karte 5 Mittel- und Südosteuropa um 1000 306
Karte 6 Mittel- und Südosteuropa um 1200 307
Karte 7 Mittel- und Südosteuropa um 1400 308
Karte 8 Mittel- und Südosteuropa um 1475 309
Karte 9 Wichtige Handelswege 310
Karte 10 Universitäten 311
4.1 Herrschaft und pragmatische Schriftlichkeit 1300 – 1500: Städtische Gemeinschaften 312
4.2 Verschriftlichung und Normierung: Bausteine institutioneller Überlieferung 328
4.2.1 Professionalisierung in der Territorialverwaltung: Südosteuropa 334
4.2.2 Sicherung der Stadtverfassung durch Rechtsbücher: Wien – Prag – Ofen 339
4.2.3 Die Archive sprechen: Notarsprotokolle und Prozessakten im Vergleich 343
4.3 Stadt als Raum 352
4.3.1 Ansichten der Stadt: Chroniken, Karten und Pläne 356
4.3.2 Himmel über Prag und Wien: Städteportraits im 15. Jahrhundert. 360
4.3.3 Die Stadt und ihr Umland: Umweltgeschichte, Donaustädte, Grundherrschaft 372
4.4 Soziale Gruppen und Gemeinschaften 375
4.4.1 Gebets- und Wirtschaftsgemeinschaften 379
4.4.2 Stadt und Fürsorge: Bettelorden, Spitäler und religiöse Stiftungen 382
4.4.3 Liturgie in der Stadt: Prozessionen, Altäre und Stiftungen 388
4.4.4 Ländliche Gemeinschaften in Dalmatien 397
4.5 Verflechtung spätmittelalterlicher Lebensräume 401
4.5.1 Quantifizierte Personen: Universitätsmatrikel 402
4.5.2 Bücherverzeichnisse als Abbild städtischer Beziehungsgeflechte 405
4.5.3 Zur christlich-jüdischen Koexistenz in der Stadt 411
4.5.4 Hof, Adel und Religion: Böhmische Buchmalerei zur Zeit der Luxemburger und der Hussitenkriege 415
4.5.5 Narrative der Herrschaftsrepräsentation und -praxis 424
4.6 Kommunikation und Korrespondenz: Politische und pragmatische Schriftlichkeit 438
4.6.1 Reform, Konzil und Korrespondenz: Böhmen und die Kirche 439
4.6.2 Endlich Zahlen: Osmanische Steuerregister 446
4.6.3 Handelsregister als quantitative Quelle: Dalmatien 454
4.6.4 Italienische Gesandtenberichte als Schlüsselquellen der politischen Geschichte Südosteuropas? 461
Ausblick 469
Abbildungsnachweis 472
Bibliographie 474
Personenregister 569
Geographisch-ethnographisches Register 582
Quellenregister 597
Verzeichnis der Beiträgerinnen und Beiträger 602
Autoreninfo

Schmitt, Oliver Jens

Prof. Dr. Oliver Jens Schmitt ist Professor für Geschichte Südosteuropas an der Universität Wien. Seine mediävistischen Forschungsschwerpunkte liegen auf der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte des venezianischen Südosteuropa sowie der Epoche der osmanischen Eroberung des Balkans.

Gruber, Elisabeth

Dr. Elisabeth Gruber ist Mitarbeiterin am Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit der Universität Salzburg in Krems. Forschungsschwerpunkte sind städtische Eliten im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit, städtische Wirtschafts- und Verwaltungsstrukturen, Überlieferungsgeschichte(n) im überregionalen Kontext.

Lutter, Christina

Prof. Dr. Christina Lutter ist Professorin für österreichische Geschichte an der Universität Wien. Arbeits- und Forschungsschwerpunkte sind Kultur- und Geschlechtergeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit; Kulturwissenschaften / Cultural Studies.
Leserbewertungen

Bewertungen

Eine Fülle an Beispielen, sehr kurzweilig und methodisch gewinnbringend

Bewertung

Kundenmeinung von Jessica Vollstädt

Mit unserer Fixierung auf den deutschsprachigen Raum und anrenzende Länder in puncto Überlieferungsgeschichte ist es eine Wohltat, dass sich ein Werk auch einem anderen europäischen Raum widmet und absolut bevorzugt Südosteuropa in den Blick nimmt. Das Buch ist sehr lesefreundlich gestaltet und bietet mit den am Seitenrand vermerkten Überblickstexten genügend Orientierung für jeden Leser. Fachtermini, Zitate und dergleichen sind kursiv gekennzeichnet und es gibt zu den reichlichen Texten etwas Bildmaterial, das matt auf normalem Papier gedruckt ist, was wiederum gewöhnungsbedürftig ist, da ich dies selten erlebt habe - es ist in der Hinsicht praktischer, als es nicht spiegelt, ist jedoch wiederum anfälliger für äußere Einflüsse (Kaffee etc.).

Zu Beginn findet sich eine Einleitung und die ist deshalb hervorzuheben, weil sie sehr ausführlich ist und sehr wichtige Handreichungen zum Lesen und Verständnis des Werkes mitgibt. Es gibt Einleitungen, die nicht gelesen werden müssen - dies trifft für hier nicht zu. Meines Erachtens kann das Buch nur adäquat verstanden werden, wenn man die Einleitung sorgfältig studiert.

Das Buch enthält Beiträge von sehr vielen verschiedenen Autoren, alle Experten auf ihrem Gebiet, was für eine inhaltlich detailreiche Fülle sorgt und auch abwechslungsreich zu lesen ist, da man nicht immer exakt demselben Schreibstil "ausgeliefert" ist. Nach 471 üppig gefüllten Seiten finden sich zudem ein Personenregister und ein geographisch-ethnographisches Register.
Das Material und die Themen, anhand dessen eine Kulturgeschichte der Überlieferung für das Mittelalter angefertigt wird, ist natürlich stellenweise sehr speziell, liegt aber in der Natur der Sache. Dafür ist die Bandbreite und Masse der Beispiele ein großer Gewinn und auch sehr kurzweilig. Auch die Tatsache, dass die Methodenlehre im Fokus ist, gefällt mir und ist für mein Studium gewinnbringend.

Konstruktive Kritik muss jedoch auch geübt werden. Als störend empfand ich, dass innerhalb des Inhaltsverzeichnisses die Kapitel keine eigene Überschrift erhielten und somit die Themen nicht nochmals auf einen Blick bündelten. Der Aufbau der Darstellung wird zwar in der Einleitung beschrieben, doch fällt mein erster Blick beim potentiellen Kauf eines Buches auf das Inhaltsverzeichnis - das mir somit ein Rätsel wäre, vor allem, wenn die Materie noch eher unvertraut ist.
Zudem hätte ich anhand des Titels, Untertitels und des Textes auf dem Buchrücken eine andere Definition von Mitteleuropa vermutet, aber da gibt es unterschiedliche Definitionen. Die Autoren widmen sich dieser Diskussion um eine Definition um Mittel- und Südosteuropa ausführlich in der Einleitung.
Ein letzter Kritikpunkt, der mich in der Tat etwas verwirrt im Hinblick auf einen vermeintlich wissenschaftlichen Anspruch des Werkes, immerhin sollen Studenten als Zielgruppe erreicht werden: Es gibt keine Fußnoten, anhand derer sich das Geschriebene überprüfen ließe. Zwar gibt es hier und da Literaturhinweise, doch würde ich das Werk aufgrund des Fehlens von Fußnoten niemals zitieren oder gar damit argumentieren wollen. Es ist jedoch hervorragend geeignet, um sich mit der Materie vertraut zu machen und die Kulturgeschichte der Überlieferung im Mittelalter in Form von Quellen und Methoden kennenzulernen. Für Studenten sehr gut geeignet, jedoch sollte man im Hinblick auf Prüfungen unbedingt auf Literatur verweisen, deren Quellen ausgewiesen werden.

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