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Mikropolitik und Moral in Organisationen

Herausforderung der Ordnung

von Neuberger, Oswald Fach: Betriebswirtschaftslehre;

Print on Demand Ausgabe (Lieferzeit ca. 4-5 Tage)

Mikropolitik - als die auf eigenen Vorteil bedachte Instrumentalisierung Anderer in organisationalen Ungewissheitszonen - wird nicht auf personale Motive oder Haltungen zurückgeführt, sondern als sowohl flexible wie konstruktive Nutzung der Widersprüchlichkeit organisationaler Steuerungsprinzipien verstanden.

Nach einem Resümee des empirischen Forschungsstandes wird dafür plädiert, die Erfassung und Differenzierung der mikropolitischen Taktiken in ein umfassendes Handlungsmodell einzubetten, das neben kognitiven Situationsrepräsentationen und Erfolgskalkülen weitere Bedingungen berücksichtigt. Mikropolitik scheint von vorneherein moralisch disqualifiziert zu sein, weil es ihr darum geht, Andere zum Mittel für eigene Zwecke zu machen.

Die Reflexion von Mikropolitik aus den Perspektiven dominierender (wirtschafts-) ethischer Positionen erweist eine solche Pauschal-Verurteilung als einseitig und fragwürdig. Mit Blick auf die Möglichkeiten organisationaler Akteure werden drei pragmatische Strategien einer moralischen Rechtfertigung und Kultivierung von Mikropolitik erörtert: moralisches Satisfizieren, Moral lernen und den Widerstreit moralischer Prinzipien aushalten und nutzen.

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Details
ISBN 9783825227432
UTB-Titelnummer 2743
Auflagennr. 2. Aufl. als Print on Demand Ausgabe (Lieferzeit ca. 4-5 Tage)
Erscheinungsjahr 2006
Erscheinungsdatum 22.04.2015
Einband Kartoniert
Formate UTB M (15 x 21,5 cm)
Originalverlag UVK Lucius
Umfang 635 S., 34 Abb., 24 Tab.
Inhalt
Abbildungsverzeichnis XIII
Belegverzeichnis XV
Tabellenverzeichnis XVII
1. Das Konstrukt Mikropolitik:
Dimensionen, Bewertungen, Abgrenzungen 1
1.1. Mikropolitik als polarisierendes Thema 1
1.2. Was ist mit Mikropolitik gemeint? 4
1.2.1. Einige Mikropolitik-Definitionen 5
1.2.2. Welche Dimensionen liegen den Mikropolitik-Definitionen zu Grunde? 9
1.2.3. Die zusammenfassende Definition 18
1.3. Polity – Policy – Politics 27
1.3.1. Spielregeln – Spielstrategien – Spielzüge 27
1.3.2. Resümee 40
1.4. Positive und negative Funktionen der Mikropolitik 40
1.4.1. Mintzberg – Klein – Ferris; POPS & PSI 45
1.4.2. Ist Mikropolitik pathologisch? 48
1.4.3. Exkurs POP-Skala Zur Operationalisierung einer Mikropolitik-Definition 51
1.4.4. PSI (Political Skill Inventory) 55
1.5. Mikropolitik als abweichendes Verhalten 59
1.5.1. Kontraproduktives Arbeitsverhalten 63
1.5.2. Extra-Produktives Arbeitsverhalten 72
1.5.3. Ist kontraproduktives Verhalten das Gegenteil von extra-produktivem Verhalten? 76
1.5.4. Die Beziehung von kontraproduktivem und extra-produktivem Verhalten zu Mikropolitik 78
1.5.5. Die Landschaft der Mikropolitik: Zwei Ansichten 78
2. Mikropolitische Taktiken und Strategien 85
2.1. Die Erfassung mikropolitischer Taktiken 85
2.1.1. Eine kurze Geschichte der Entwicklung von Taktik-Inventaren: POIS und die Folgen 85
2.1.2. Weitere Taktik-Inventare: Beispiele und Synopsen 90
2.1.3. Alternative Erfassungsmethoden 97
2.2. Taktiken-Mix und Strategien 102
2.2.1. Taktiken-Kombinationen 102
2.2.2. Strategien 107
2.3. Wirkungsanalyse 111
2.4. Reflexion/Kritik 120
2.4.1. Methodologische und theoretische Vorentscheidungen bei der Erfassung von mikropolitischen Taktiken und Strategien 120
2.4.2. Zur Rolle der Operationalisierungen: Das Beispiel 'Rationales Argumentieren' 124
2.4.3. Kontextualisierung und Dekontextualisierung 127
2.4.4. Alternativen zu den Taktik-Listen? Direkter und indirekter Einfluss 132
2.4.5. Fiktionen beim Einsatz und der Erfassung von Taktiken und Strategien 138
2.5. Fazit 144
2.6. Anhang 145
3. Bedingungen der Möglichkeit von Mikropolitik 147
3.1. Mikropolitik: die kreative Nutzung organisationaler Spielräume 148
3.1.1. Bedingungsmodelle in der mikropolitischen Forschung 154
Die Berücksichtigung von Persönlichkeitsattributen 158
Die Berücksichtigung des organisationalen Kontexts 161
3.1.2. Überlegungen zur Merkmalsauswahl: Ein Demonstrationsbeispiel 163
3.1.3. Druck machen und Einschmeicheln: Wovon hängt der Erfolg ab? 166
3.2. Organisationale Ermöglichungsbedingungen mikropolitischer
Taktiken 170
3.2.1. Antagonismen innerhalb und zwischen Steuerungsprinzipien 170
3.2.2. Vorüberlegungen zur Bedeutung von Information, Rationalität und
Versprachlichung 176
3.3. Organisationale Steuerungsprinzipien:
Diskussion der Polaritäten 184
3.3.1. Hierarchie und Autonomie 186
3.3.2. Formalisierung und Improvisation 189_
3.3.3. Exkurs: Einfache und doppelte Kontingenz 193
3.3.4. Differenzierung und Integration 197
3.3.5. Komplexität und Simplizität 199
3.3.6. Kooperation und Konkurrenz 203
3.3.7. Extrinsische und intrinsische Motivation 206
3.3.8. Vernetzung und Vereinzelung 211
3.3.9. Facta und Ficta (Faktizität und Fiktionalität) 217
3.3.10. Wandel und Bewahrung 224
3.3.11. Einbettung und Abgrenzung 230
3.4. Zusammenfassung 235
4. Komponenten eines Handlungsstruktur-Modells 237
4.1. Mikropolitik aus der Perspektive einer sozialen
Handlungstheorie 238
4.1.1. Die dyadische Grundstruktur einer Einflusssituation 242
4.1.2. Inhaltliche Erweiterung der Grundstruktur durch acht Handlungskomponenten 246
4.2. Diskussion der acht Komponenten des Handlungsstruktur-
Modells 250
4.2.1. "Ich bin ich": Identität, ein Selbst sein 251
4.2.2. "Ich bin verkörpert": Körperlichkeit, Sinnlichkeit, Materialisierung 260
4.2.3. "Ich weiß": Kognition 265
4.2.4. "Ich will": Interessen, Motivation 270
4.2.5. "Ich kann": Kompetenzen (Fähigkeiten und Ressourcen) 279
4.2.6. "Ich fühle": Emotionalität 282
4.2.7. "Ich stehe in Beziehung": Vergemeinschaftung 288
4.2.8. "Ich bin in Ordnung(en)": Institutionalisierung, Vergesellschaftung 292
4.3. Erweiterungen: Zur Sozialisierung und Dynamisierung des Modells 297
4.3.1. Erweiterung zu einem sozialen Struktur-Modell 298
4.3.2. Erweiterung zu einem sozialen Handlungs-Modell 302
Zur Trennung von Täter und Tat 303
Zum Zusammenhang von Täter und Tat 305
Der Täter als Modell und Model 308
Zum Zusammenhang der Merkmale 310
Weitere Handlungsaspekte (Primat der Tat, Prozessualität, Virtualisierung) 314
4.4. Schlussbemerkung 318
5. Die Moral der Mikropolitik 319
5.1. Was heißt moralisch urteilen und handeln? 320
5.1.1. Moral und Politik, Ökonomie und Ethik – sie scheinen sich zu fliehen 320
Ich bin viele – die Organisation ist eine? 321
Achtung: Achtung! 324
Geltung und Begründung 326
5.1.2. Erste Annäherung: Zwei Moral-Definitionen 331
Beispiel 1: Bayertz' Moraldefinition 331
Beispiel 2: Thrasymachos' Definitionen (Platon) 332
5.1.3. Nächster Anlauf: Ethik-Theorien 335
Eine kurze Skizze wichtiger Ethik-Theorien 336
Fazit: Wider den Monotheismus der einen richtigen Ethiktheorie 342
5.1.4. Wann ist eine Moralbegründung vernünftig? Warum soll sie vernünftig sein? 343
Konsistenz (Stimmigkeit, Widerspruchsfreiheit) 345
Universalisierbarkeit (Verallgemeinerbarkeit, allgemeine Geltung) 345
Prinzipienorientierung (anstelle konkreter Problemlösungs-Ratschläge) 348
5.1.5. Zu typischen Besonderheiten und Voraus-Setzungen ethischen Argumentierens 353
Fiktionen und Gedankenexperimente 353
Kontingenz und Handlungsspielraum 354
Beschränkung des Spielraums 355
Beobachtung durch Dritte 356
Bewertungsmaßstäbe 356
Systematische Differenz zwischen Motiv, Handlung und Konsequenz 358
5.2. Ökonomie und Moral haben sich nichts zu sagen! 360
5.2.1. Trennungsbeschlüsse: Plädoyers für die Eliminierung der Moral 360
Wie Peter Drucker und Dieter Schneider den Moralaposteln die Leviten lesen 360
Luhmanns Warnung, Nietzsches Ekel vor Moral 363
Milton Friedmans Als ob 366
Moral als Steuer? 367
Die Klugheit des Amoralisten 369
Ist Mikropolitik amoralisch oder unmoralisch? 372
Im Geschäftsleben ist bluffen ethisch! Carr und seine Kritiker 374
Der Fall Ford Pinto 378
Zum Abschieben der Verantwortung für moralisches Versagen 381
5.2.2. Dennoch: Argumente zur Rechtfertigung von Unternehmensethik 384
Moral-Thematisierung als Reaktion auf gesellschaftliche Erwartungen 384
Unternehmen können keine Sondermoral oder Moralfreistellung für sich beanspruchen 386
Unternehmen müssen Moral liefern, weil sie nachgefragt wird 387
Moral sichert Transaktionen gegen Opportunismus 389
Das Herantasten an die Grenzmoral 390
5.2.3. Moral als Steuerungstechnik: Ethische Praktiken im Unternehmen ("Governance Ethik") 393
5.3. Moralische Rahmenordnung und amoralisches Handeln? 396
5.3.1. Moral ist Kooperationsmoral 397
5.3.2. Bedingungswandel statt Gesinnungswandel – Wohl-Stand statt Wohl-Wollen 400
5.3.3. Dilemmastrukturen (am Beispiel des Prisoner's Dilemma Game) 408
Exkurs: Spieltheorie vs. Verhandlungsanalyse (Sebenius) 411
5.3.4. Die Rahmenordnung als der systematische Ort der Moral 417
5.3.5. Der Grundkonflikt zwischen Rentabilität und moralischer Akzeptanz 421
5.3.6. Der homo oeconomicus-Test (h-o-Test) 424
5.3.7. Ökonomik als Methode 426
5.3.8. Die ideale oder die reale Marktwirtschaft?
Marktwirtschaft oder soziale Marktwirtschaft? 428
5.3.9. Defizite der weltwirtschaftlichen Rahmenordnung 430
5.4. De-Moralisierung und Re-Moralisierung der Spielregeln 435
5.4.1. Ethische Neutralisierung 435
5.4.2. Die Erweiterung des Zwei-Stufen-Modells zum Drei-Stufen-Modell 439
Diskursethik 439
Apels Re-Moralisierungsvorschlag: die Einführung einer dritten Stufe 443
Fazit 447
5.5. Moralische Regeln und moralisches Handeln: eine rekursive Beziehung 449
5.5.1. Motto: Weg von der Rahmenordnung, hin zu den Handlungen! 449
Moralmetaphern 450
5.5.2. Was sind Regeln? 452
5.5.3. Voraussetzungen kompetenter Regelanwendung 454
Offener Anwendungskontext 455
Interpretierende Regel-Anwendung 457
Selektion aus dem Regelnetz 458
Regelschutz 459
Regeldynamik 468
Rule taking und rule making 469
Zwischen-Resümee zu den Bedingungen der Regelbefolgung bzw. -verletzung 470
5.5.4. Regelnutzung als sozialer Prozess 472
Regeln sind Machtinstrumente, Machtindikatoren und Machtgeneratoren 472
Die Rolle der Dritten 473
Die Anderen: Regelbefolgung als Netzeffektgüter-Produktion 476
Veraltung von Regeln 477
5.5.5. Zur mikropolitischen Nutzung von Regeln 477
Die Funktionen von Regelbefolgung – und ihre Rückseite 479
Regelhandhabungskompetenz 488
Wie Regelverletzungen in Schach halten? 491
5.5.6. Verflucht sei, wer das Gesetz nicht mit Leben erfüllt! Amen. 492
_
5.6. Moralisches Handeln als mikropolitisches Handeln 495
5.6.1. Zur Beziehung zwischen moralischem Urteilen und moralischem Handeln 496
5.6.2. Relativistische Ethik: Das Jones-Tsalikis-Modell 499
5.6.3. Das Gute kennen, aber nicht tun. Der Umgang mit 'Anomalien' 504
5.6.4. Die Bedeutung postdezisionaler und postaktionaler Phasen 506
Intervention (Änderung) 506
Intra- und interpersonale Abwehrmechanismen 507
Rechtfertigungen ('accounts' produzieren) 508
5.6.5. Die Bewältigung von Diskrepanzen zwischen Worten und Taten, Absichten
und Ergebnissen 511
Der intuitive Anwalt 513
Fazit und Folgerungen 517
Gewissen und gesunder Menschenverstand als Prüfinstanzen einer
relativistischen Ethik 519
5.6.6. Was tun? Was tun! Drei Strategien 521
???Gebrauchsmoral (moral satisficing, bounded morality) 524
???Moral lernen 533
???Moralisches Austarieren des pluralistischen Widerstreits 541
5.6.7. Resümee 547
6. Schluss 552
7. Literaturverzeichnis 559
8. Personenverzeichnis 593
9. Stichwortverzeichnis 600
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